Auf den Spuren der ukrainischen Literatur
Auf dem Gebiet der heutigen Ukraine gab es schon im 11. Jahrhundert eine eigenständige Literatur mit Sagen und Heldenepen, deren bekanntestes das Igorlied aus dem Ende des 12. Jahrhunderts ist. Dieses Epos, vergleichbar mit den deutschen Nibelungensagen, behandelt einen Feldzug des Fürsten Igor Swjatoslawitsch und die Sehnsucht der Völker der Rus nach einem starken Herrscher. Die Originalhandschrift verbrannte leider 1812 beim Napoleonischen Feldzug. Im 18. Jahrhundert entstand im Zuge der eigenen Schriftsprache eine ukrainische Barockliteratur mit ihren wichtigsten Vertretern Hryhorij Skoworoda, Taras Schewtschenko und Iwan Kotljarewskyj. Die russischen Zaren verboten im 19. Jahrhundert die ukrainische Literatur, sie wanderte nach Österreich-Ungarn aus.
Ukrainische Sowjetliteratur und Gegenwart
In der Sowjetunion litten die ukrainischen Dichter wie alle ihre Kollegen im kommunistischen Reich unter den rigiden Einschränkungen, die subversiv unterwandert wurden. Spätestens seit den 1970er Jahren unter dem Betonkopf Breschnew hatten ernst zu nehmende ukrainische Schriftsteller kaum noch eine Chance, publiziert zu werden. Vertreter waren etwa Hryhorij Tschubaj und Ihor Kalynez. Wer konnte, wanderte aus und wandte sich modernen europäischen Strömungen zu wie die Surrealistin Emma Andijewska. In der Gegenwart ringt die ukrainische, postsowjetische Literatur um ihre Rolle, sie begegnet dem hin- und herdriftenden Land mit Farcen wie der Dichter Olexander Bejderman.
