Galizien und Wolhynien die Keimzellen der Ukraine
Galizien und Wolhynien gelten als Keimzellen der unabhängigen Ukraine. Vor und während des Zweiten Weltkrieges erfolgten mehrfach in Osteuropa neue Grenzziehungen (nicht Frontverläufe), beginnend mit dem Hitler-Stalin-Pakt von 1939, der nicht nur ein Nichtangriffspakt war, sondern auch polnische und weißrussische Gebiete unter den Kontrahenten aufteilte. Während des Krieges schließlich trat Polen Gebiete vor allem in Wolhynien an die Sowjetunion ab, auch galizische und transkarpatische Gebiete gehörten dazu, die nie von Russland aus regiert worden waren. Die Bevölkerung war fortan stalinistischem Terror ausgesetzt, der in den 1940er Jahren besonders heftig wütete, wobei die Russen unter Stalin zwar keine Rassenpolitik im faschistischen, völkischen Sinne betrieben, wohl aber ethnische Säuberungen, verbunden mit massenhaften Deportationen, mit dem Ziel der Russifizierung.
Die Mitte Europas
Die Ukrainer, deren Kultur wahrscheinlich südöstlich von Kiew am Dnepr entstand, liegen eigentlich inmitten Europas. Ende des 19. Jahrhunderts vermaßen österreichische Ingenieure den Kontinent und kamen zum Ergebnis, dass dessen Mittelpunkt beim ukrainischen Ort Rachiw liegt. Diese Berechnung ist – gerade für Europa – etwas willkürlich und nicht unbedingt erheblich, auch andere Orte bezeichnen sich als Mitte Europas. Es sei jedoch die Betrachtung gestattet, dass das ukrainische Volk unter die Völker Zentraleuropas gehört, abseits aller Wirren des 20. Jahrhunderts, die ihre Spuren bis heute hinterlassen haben.
